| Das wundervolle Duett des van Wou Meisterschülers Hinrick van Kampen läutet zur Zeit noch in mangelhaften Armaturen, die die volle Klangentfaltung verhindern. Durch die verkröpfte Aufhängung werden die Glockenkronen zu stark belastet, was erhöhte Bruchgefahr bedeutet und einen Glockenabsturz nach sich ziehen kann. Bauartbedingt neigen die verkröpften Stahljoch ohnehin zu Ermüdungsbrüchen. Die schlechten Klöppel tun ihr übriges zur minderen Klangentfaltung. Spätestens zum 500jährigen Jubiläum ist eine Sanierung der Glockenanlage und die Hängung an gerade Holzjoche geplant. Erst dann kann das jetzt schon hörbare klangliche Potenzial der Glocken in Gänze genossen werden. Hinrick van Kampen befand sich in diesen Jahren auf dem Höhepunkt seiner Glockengießkunst. Hatte er noch im Jahre 1506 ein siebenstimmiges Geläut für den Braunschweiger Dom mit durchschnittlicher Klangqualität gegossen, so führte er später auch Großglocken von hervorragender Guß- und Klangqualität aus. Neben den zwei wunderbaren Parchimer Glocken schuf er im selben Jahr zwei Glocken mit den Nominalen e' und fis' für den Halberstädter Dom, nachdem er bereits im Jahre 1511 in Halberstadt die 5700 kg schwere Feuerglocke, sein größtes Werk, goß. Das traurigste Mahnmal seiner großen Gießkunst stellt die 1508 gegossene Sonntagsglocke, Nominal a°, für die Marienkirche in Lübeck dar. Die Glocke stürzte beim Luftangriff auf die Stadt im Jahre 1942 aus dem brennenden Turm und liegt heute in Teilen als Mahnmal am Boden ... |